Anglizismen lieben lernen

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Kennst du das: du verwendest einen aktuell verbreiteten Anglizismus und musst gleich hinterher in Deckung gehen, um einer Salve von Vorwürfen und Beschimpfungen auszuweichen: „Was für‘n Tier?!“ „Oh, ein Cosmopolitan!“ „Ist das jetzt Denglisch 2.0?“

Keine Frage, es gibt sicherlich Zeitgenossen, die jedem Trend hinterherhipstern und täglich die Synonym-Suchmaschinen strapazieren, um die aktuellsten internationalsten Vokabeln für altbewährte Ausdrücke unserer Muttersprache zu finden und anzuwenden. Das heißt aber nicht, dass es nicht auch moderne Fremdworte gibt, die man mit gutem Gewissen einbringen darf und sollte, selbst wenn sie erst seit kurzem in Gebrauch sind.

Die meisten Fremdworte  bezeichnen etwas, was in dem jeweiligen Ausland hervorgebracht  wurde, wie z.B. der Begriff „Karaoke“: Wir haben den Begriff aus dem Japanischen übernommen, weil  auch die Sache, die er beschreibt, aus Japan stammt. Solche Begriffe können konkrete Dinge beschreiben wie das Tiramisu aus Italien oder der Laser-Pointer aus den USA. Es können auch treffende Metaphern sein, auf die wir Deutschen nicht gekommen sind, wie der Underdog, das Pokerface oder das Blind-Date.

Außerdem können manche Fremdworte die Funktion, die eine Sache hat oder die Zusammenhänge, in denen sie auftaucht, besonders gut auf den Punkt bringen. Beispiel: Wir kennen im Deutschen zwar den Spezialisten, Kenner und Fachmann – alles Begriffe, die Auskunft über den Wissensstand geben, den jemand in einem bestimmten Fachgebiet hat. Der englische Begriff  „Insider“ hingegen, für den es bei uns kein passendes Synonym gibt, geht darüber hinaus, da er zusätzlich noch eine Vorstellung vermittelt, wie dieses Fachwissen zustande kommt.

Wenn ein anderer Sprachraum also etwas hervorbringt, was wir uns zu Nutze machen, dann sollten wir dies auch würdigen und den Ursprung nicht verschleiern – und daher auch das ursprüngliche Wort verwenden.

Noch ein Wort zu der umgekehrten Praxis, englische Begriffe einzudeutschen. Dem möchte ich zwei Dinge entgegenhalten: Zum einen ist es uns Deutschen meistens nicht unangenehm, wenn andere Sprachen deutsche Begriffe unverfremdet übernehmen. So sagen die Engländer „Zeitgeist“ und nicht Timeghost und wir sind vielleicht sogar ein bisschen  stolz darauf. Zum anderen klingen Fremdworte in der Ursprungssprache oftmals besser oder liegen besser auf der Zunge: Bestseller liegt besser auf der als Zunge als „meistverkauftes Druckerzeignis“, Reminder liegt besser auf der Zunge als „Zurückerinnerer“. Nichts gegen Traditionspflege in der deutschen Sprache, aber dies darf nicht zum Selbstläufer werden. Wir sollten die Größe haben, die sprachlich-kreativen Leistungen anderer Völker und Sprachen zu würdigen und zu nutzen, wenn sie gelungen sind!

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